was war

einmal im jahr
wenn lesezeichen
aus meinen büchern fallen
mit vermerken wie
zählfarne,
registraturnelken,
nesselklammern,
kehre ich in mein dorf zurück.

auf aufgeschlagenen seiten
vergilben geschichten,
die zu legenden wurden,
und ihre Waffen abgelegt haben,
den spott, den aufruhr,
den tanzschweiß,
der von den schlafen
der tänzer tropfte.

ich ziehe meinen roten kittel an,
stülpe die haare
wie einen strauch über den kopf,
trage schmutzige socken
und stiefel die einem mann
passen könnten.
ich rieche das schweinefett
in den ungelüfteten küchen,
probiere narren aus
und ihre schattengeschichten
die einmal losgetreten,
poltern
wie treibendes holz.

am hofeingang bleibe ich stehen.
dort habe ich einen stein 
hingelegt, mit einer furche            
in kalk eingeschlossen,              
die mich erinnern soll,            
woher ich kam.

    

 

MAJA HADERLAP

Maja Haderlap, geboren 1961 in Bad Eisenkappel in Kärnten; Studium der Theaterwissenschaften und der Deutschen Philologie an der Universität Wien; Arbeit als Dramaturgie- und Produktionsassistentin in Triest und in Ljubljana;

1989 bis 1992 Redakteurin und Herausgeberin der Kärntner slowenischen Literaturzeitschrift mladje;

Seit 1989 Lehraufträge am Institut für Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaft der Alpen-Adria Universität Klagenfurt.

1992 bis 2007 Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt.

Lebt als Autorin in Klagenfurt.


Maja Haderlap schreibt Lyrik, Prosa, Essays und übersetzt aus dem Slowenischen ins Deutsche; 1983 erschien ihr erster Lyrikband Žalik pesmi , 1987 der Band Bajalice, für den sie 1989 den Preis der France- Prešeren- Stiftung /Nagrada Prešernovega sklada erhielt. 1998 erschien der Lyrikband Gedichte Pesmi Poems.


2004 Hubert-Burda Preis für Lyrik (Förderpreis zum Hermann- Lenz- Preis)

2006 / 2007 Österreichisches Staatsstipendium für Literatur

2008 / 2009 Projektstipendium für Literatur

2009 / 2010 Staatsstipendium für Literatur

2011 Ingeborg Bachmann Literaturpreis

kar je bilo

enkrat na leto,
ko bralna znamenja
padajo iz mojih knjig
z opombami, kot
števne praproti,
registraturni nageljni,
koprivove sponke,
se vračam v svojo vas.

na odprtih straneh
porumenevajo pripovedi,
ki so postale pripovedke
in odložile orožje,
posmeh, upor,
pot,
ki je kapljal
s senc plesalcev.

oblečem rdeče krilo,
potegnem lase čez teme kot grm,
nosin umazane nogavice
in škornje, ki bi bile prav
moškemu.
voham svinjsko mast
v neprezračenih kuhinjah,
preizkušam imena
in zgodbe, v njih spravljene,
ki enkrat sprožene zgrmijo navzdol
kot spuščeni hlodi.

pri dvoriščnih vratih se ustavim,
tja sem položila
kamen z brazdo
zarezano v apnenec,
ki naj me spominja,
od kod sem.